Wenn Terroristen nicht mitspielen

Wenn den Überwachungswilligen die Cybermordterroristen ausgehen, bisher konnten sie keinen einzigen Beweis dafür liefern, dass ihre Überwachung auch nur ansatzweise gerechtfertigt wäre, greift man eben zur nächsten Keule: die Kinderpornografie. Und natürlich findet man sowas auch NUR im Tor-Netzwerk!!!

Um das zu “beweisen” hat die Universität Portsmouth gleich 40 Tor-Relays aufgebaut und deren Kommunikation sechs Monate lang überwacht. Dabei soll dann folgendes herausgekommen sein:

Mit Hilfe dieser Daten katalogisierten sie das “Dark web”, also nur die Dienste, die Webserver im Tor-Netz betreiben. Wenig überraschend führten Drogenumschlagplätze mit über 15 Prozent, gefolgt von Marktplätzen aller Art, Betrugs-Seiten und Bitcoin-Angeboten.
Zwei Prozente der Angebote ordneten die Forscher der Kategorie “Missbrauch” zu – also Kinderpornografie.

Das ist ja furchtbar! Tor muss natürlich sofort verboten werden! Solche Verbrechen in einem Netzwerk wie Tor können im Interesse unserer Kinder nicht hingenommen werden. Sofort zu machen! Den Datenschutz endgültig abschaffen und die Vorratsdatenspeicherung anschaffen! Es lebe der Überwachungsstaat!

Das ist ja wie im Jahr 2007: Als sie die Vorratsdatenspeicherung gefährdet sahen, kam es am 23./24.12.2007 zu dieser Meldung:

Es ist der bisher größte Fall von Kinderpornografie in Deutschland: Ermittler haben 12.000 Verdächtige ausgemacht, die kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen haben sollen. → stern.de

Habt ihr damals mitbekommen, wie viele von den 12.000 überhaupt verurteilt wurden? Was wurde z.B. aus dem pädophilen Richter, den sie noch nicht mal vom Dienst suspendiert haben? Der ganze Mist ist wieder so schnell verschwunden, wie er ans Licht kam.

Das TOR-Netzwerk ist in erster Linie ein Anonymisierungsnetzwerk und hat mit einem “Darkweb” oder “Darknet” schon mal nicht viel gemein. Tor leitet eine Anfrage an eine ansonsten auch öffentlich zugängliche Webseite durch verschiedene Computer, sogen. Nodes, durch und verschlüsselt die Daten, die da durchgereicht werden. Natürlich gibt es Hidden Services im Tor-Netzwerk, deren Links man sich aber im Gegensatz zu P2P-Darknetzen via Google anzeigen lassen kann.

Wenn das bei Tor wirklich so übel wäre, wie es oben dargestellt wird, dann stellt sich doch die Frage, warum bei Operation Onymous keine einzige Kinderpornoseite im sogen. Tor-“Darkweb” dicht gemacht wurde?

Man kann also schon mal nicht behaupten, dass diese Hidden Services für Behörden nicht erreichbar wären. Soviel also zum Tor-“Darkweb”. Außerdem ist das Tor-Netzwerk längst nicht so sicher, wie das allgemein behauptet wird. Wenn man sich nicht strikt an die Sicherheitsvorgaben hält, hat man seine Identität schnell verraten. Am besten klappt das mit dem Adobe Flashplayer, der sich ja bei jedem Video mal zuhause meldet.

Ein “Darkweb” oder “Darknet” (Schattennetzwerk) kann man mit Tor nicht vergleichen, weil das Tor-Netzwerk inkl. Hidden Services via TOR-Browser für jeden zugänglich ist, was bei einem Darknet nicht der Fall ist. Ein P2P-Netzwerk (Darknet) ist nur für jene zugänglich, die entweder einen Computer im P2P-Netzwerk haben oder von jemandem zur Teilnahme eingeladen werden. Selbst wenn man eingeladen wird, heißt das noch nicht, dass man von den übrigen Teilnehmern akzeptiert werden muss. P2P-Netzwerke bieten ein wesentlich höheres Maß an Sicherheit, da sie vom Internet und überwachten DNS-Servern unabhängig agieren und daher auch nur sehr schwer zu lokalisieren sind. Wenn sich die Teilnehmer ihrer Verantwortung bewusst sind, Sicherheitsmaßnahmen einhalten, bleiben solche Netzwerke für die Außenwelt und Behörden unsichtbar.

Wer sich mal damit beschäftigen will, kann sich z.B. Freenet angucken. Damit lässt sich schon ein schönes Familien-Darknet aufbauen, um z.B. Familienthemen auch nur mit Bekannten und nicht mit Geheimdiensten zu teilen.

Bilder:

Via Google kann man sich Linklisten zu Hidden Services im Tor-Netz anzeigen lassen und via Tor besuchen:


(Screenshot: Google)

Noch besser gehts mit dieser Suchmaschine:


(Screenshot: ahmia.fi)

Links: